Vjosa Nationalpark JETZT

Die Vjosa in Albanien ist der letzte große Wildfluss in Europa außerhalb Russlands. Sie und ihre Nebenflüsse fließen frei – über die gesamte Strecke von der Quelle in den Bergen Griechenlands bis zur Mündung in die albanische Adria. Es ist ein Wildnisgebiet mit einem fantastischen Mosaik aus unterschiedlichen Lebensräumen: enge Schluchten im Oberlauf, breite Schotterflächen und Sandbänke im Mittellauf und ein weitgehend natürliches Delta an der Adria-Küste. Alleine im Mittellauf gibt es mindestens acht Lebensraumtypen, die in der EU mit der höchsten Erhaltungspriorität eingestuft sind.

Unsere Kenntnisse über die Artenvielfalt und die dynamischen Prozesse der Vjosa sind noch sehr begrenzt. Sie ist einer der am wenigsten erforschten Flüsse in Europa. Aber schon die wenigen vorliegenden Studien unterstreichen eindrucksvoll, welche Bedeutung das Vjosa-Tal hat. Es ist ein absoluter Hotspot der Biodiversität in Albanien und bietet vielen aquatischen Tierarten einen optimalen Lebensraum. Bisher sind mehr als 1.100 Arten aus dem Vjosa-Tal bekannt, darunter 13 Tier- und 2 Pflanzenarten, die weltweit gefährdet sind, sowie mindestens 50 Tier- und 24 Pflanzenarten, die in der Roten Liste Albaniens gelistet sind.

In ihrem Einzugsgebiet finden die Dorfgemeinschaften fruchtbaren Boden für Ackerbau und Viehweiden vor. Die Fülle und Vielfalt der Fischfauna ist von zentraler Bedeutung für die lokalen Fischer, die insbesondere im Unterlauf der Vjosa leben. Ökotourismus ist an der Vjosa und ihren Zuflüssen ein wachsender Wirtschaftszweig und in den letzten Jahren haben sich Aktivitäten wie Rafting, Kanuwandern, Kajakfahren, Schwimmen etc. etabliert.

 

Bedrohung

Die Vjosa - Königin europäischer Flüsse © Gregor Subic

Seit Jahren wird das gesamte Flussgebiet von Staudammprojekten bedroht. Ihre Errichtung würde diese natürlichen Lebensräume zerstören, weite Teile des Tals überfluten und andere Abschnitte austrocknen. Im Einzugsgebiet der Vjosa gibt es Pläne für 40 Wasserkraftwerke: 9 an der Vjosa selbst und 31 an ihren Nebenflüssen. Drei Nebenflüsse – Lengarica, Shtika und Çarshova – sind bereits von Dämmen beeinträchtigt und können daher nicht mehr in einen zukünftigen Nationalpark einbezogen werden.

Die größte Gefahr für die Vjosa geht seit 24 Jahren von zwei großen Staudammprojekten im Mittellauf aus: den Wasserkraftprojekten bei Kalivaç und Poçem.

Aber auch der Unterlauf der Vjosa ist bedroht. Nahe der Mündung in die Adria will die albanische Regierung einen Flughafen in ein Schutzgebiet und Fremdenverkehrsanlagen in der Nähe der Narta-Lagune bauen lassen. Die Vorlage zur neuen Abgrenzung von Schutzgebieten in Albanien sieht vor, aus dem Narta-Schutzgebiet jene Bereiche auszunehmen, die für den Flughafen und die Hotelanlagen genutzt werden könnten.

Im September 2020 verkündete Albaniens Premierminister Edi Rama seine Absicht, einen Vjosa-Nationalpark einzurichten. Allerdings folgten darauf keine konkreten Schritte der Regierung. Die Pläne der albanischen Schutzgebietsbehörde sehen nur minimalen Schutz für die Vjosa vor. Damit würden Wasserkraftwerke nicht ausgeschlossen und die Schutzstandards eines Nationalparks weit verfehlt. Manche Politiker wollen die Tür für Bauprojekte nach der Wahl offen lassen – eine große Gefahr für die Vjosa.

Im April 2021 begann der Energiekonzern Shell entlang des Ufers der Vjosa in der Gegend von Permet nach Öl und Gas zu suchen. Ohne den Schutz, den ein Nationalpark bieten würde, wird Shell mit Bohrungen beginnen dürfen, was für das Vjosa-Tal katastrophale Folgen hätte. Die Anwohner wehren sich bereits und protestieren. 

 

Die Gelegenheit: Europas erster Wildflussnationalpark

Die Vjosa und ihre Nebenflüsse sind ohnegleichen in Europa (außerhalb Russlands). Diese Flusslandschaft muss daher mit der höchstmöglichen Naturschutzkategorie – einem Nationalpark nach IUCN-Kriterien – geschützt werden. Zusammen mit der lokalen Bevölkerung, der Wissenschaft sowie der Unterstützung aus ganz Albanien wollen wir dies verwirklichen.

Wir wollen aus der Vjosa Europas ersten Wildfluss-Nationalpark machen und damit ihr gesamtes Ökosystem – Einzugsgebiet, Nebenflüsse, Auen, Delta – sowie ihre Flora und Fauna bewahren. Nur diese Schutzgebietsausweisung kann Staudammprojekte und andere große Bauvorhaben im Schutzgebiet dauerhaft ausschließen. Sie würde auch einen großen Beitrag zum Green Deal und zur Biodiversitätsstrategie der EU leisten.

Anlässlich der Parlamentswahlen am 25. April 2021 rufen albanische und internationale Naturschutzverbände einmal mehr die Öffentlichkeit und die verantwortlichen Politiker dazu auf, die Zukunft der Vjosa zu sichern und die Einrichtung dieses Wildfluss-Nationalparks zu einer Priorität der künftigen Regierung zu machen.

Ein Nationalpark nützt nicht nur den Tieren und Pflanzen, sondern auch der Bevölkerung des Vjosa-Tals, und bietet das Potential für eine nachhaltige sozioökonomische Entwicklung. In Zukunft werden tausende Touristen aus ganz Europa nach Albanien kommen, um diesen letzten wilden Fluss zu sehen. Eine kürzlich durchgeführte Meinungsbefragung zeigt, dass 94% der Bürgerinnen und Bürger Albaniens den Wildfluss-Nationalpark befürworten.

 

Was wurde bisher erreicht - eine Chronologie

Internationaler Protest am Ufer der Vjosa in Queserat © Oblak Aljaz

Januar 2014: Die Vjosa tritt erstmals ins Rampenlicht der internationalen Medien.

Mai 2014: Lokale Bürgermeister und Flussanrainer geben ihre erste Pressekonferenz am Ufer der Vjosa und appellieren an Premierminister Rama, die Staudammpläne abzulehnen und stattdessen einen Vjosa-Nationalpark zu errichten.

Juni 2014: Die erste Erhebung der Biodiversität der Vjosa wird in Zusammenarbeit mit albanischen Wissenschaftlern und 70 Studenten durchgeführt.

Mai 2015: EU-Abgeordnete fordern Schutz für die Vjosa und ein Ende aller Staudammpläne.

April 2016: Das Europäische Parlament ruft die albanische Regierung auf, den Wasserkraftausbau im Zaum zu halten, und nennt dabei insbesondere unberührte Regionen wie die Vjosa.

Mai 2016: Eine internationale Protestaktion am Ufer der Vjosa unterstützt den lokalen Widerstand gegen ein großes Staudammprojekt. Eine spezielle Petition in Form eines Kajaks wird vor Premierminister Ramas Türe abgelegt.

Dezember 2016: Anwohner, nationale und internationale NGOs bringen Klage gegen das Wasserkraftprojekt Poçem an der Vjosa ein.

Mai 2017: Der Verwaltungsgerichtshof in Tirana entscheidet zugunsten von EcoAlbania und Anrainern, das Dammprojekt zu stoppen. Der türkische Investor Ayen Enerji und das Umweltministerium legen Berufung ein – das Verfahren läuft noch.

Oktober 2017: Die albanische Regierung beschließt, den Staudammbau an der Vjosa fortzusetzen, und erteilt einem türkisch-albanischen Konsortium aus Ayen Enerji und Fusha die Konzession, das Kalivaç-Wasserkraftwerk zu errichten.

Oktober 2017: Tausende besuchen das Konzert „Mos ma prek Vjosën! (Hände weg von der Vjosa!)“.

Juni 2018: Internationale Wissenschaftler erforschen 300 Kilometer der Vjosa und veröffentlichen die Ergebnisse im Dezember 2018 in einer Studie.

Oktober 2018: Konzert zum Schutz der Balkanflüsse und für eine freie Vjosa.

Juni 2019: Eine neue Studie zeigt, dass die Vjosa für Wasserkraftwerke ungeeignet ist – Staudämme würden nur Nachteile bringen.

November 2019: Prominente wie Leonardo DiCaprio setzen sich für die Vjosa ein und erhöhen den internationalen Druck für ihren Schutz.

Februar 2020: Eine der größten Wissenschaftspetitionen im Bereich der Limnologie weltweit fordert ein Ende der Dammprojekte an der Vjosa.

September 2020: Das albanische Umweltministerium lehnt die Umweltverträglichkeitserklärung des türkisch-albanischen Investorenkonsortiums ab – der Kalivaç-Staudamm wird nicht gebaut!

Februar 2021: Zwanzig albanische Umweltschutzorganisationen, koordiniert von EcoAlbania, legen dem Tourismus- und Umweltminister Blendi Klosi ein detailliertes Konzept für die Schaffung des Vjosa-Nationalparks vor. Der 16-seitige Entwurf sieht vor, dass der Nationalpark den IUCN-Kriterien entspricht und den gesamten Lauf der Vjosa in Albanien sowie aller ihrer frei fließenden Zubringer umfasst.

März 2021: Patagonia veröffentlicht einen neuen 6-minütigen Film, der die Lage in Albanien erklärt und die Bürger Albaniens und der EU aufruft, sich einzubringen und die Unterschutzstellung des Flusses zu unterstützen.

März 2021: Die IUCN präsentiert ihre neue Studie, die zu dem Ergebnis kommt, dass „der Schutz der Vjosa über den gesamten Flusslauf sichergestellt werden muss, um die ‚Kontinuität‘ des Flusses und den Sedimenttransport zu wahren. Jegliche Störung des Flussbetts hätte Auswirkungen stromaufwärts und stromabwärts.“

Weltwassertag 2021: „Vjosa-Nationalpark jetzt“ prangt im Vordergrund weltbekannter Bauwerke in Paris, Berlin, Brüssel und Tirana. Die Aktion zielt auf die Aufmerksamkeit der Politiker in der EU und in Albanien und ruft sie auf, aus der Vjosa den ersten Wildfluss-Nationalpark Europas zu machen.

März 2021: Das Europäische Parlament nimmt den Erweiterungsbericht 2021 zu Albanien an, in dem es Albanien auffordert, „so bald wie möglich den Nationalpark Vjosa einzurichten, der die gesamte Länge des Flusses umfassen soll“.

Partner im Einsatz für einen Vjosa-Nationalpark

EcoAlbania, Riverwatch, EuroNatur, Patagonia, AOS - Shoqata Ornitologjike e Shqipërisë, EDEN - Qendra Mejdisore për Zhvillim Edukim dhe Rrjetëzim, Milieukontakt Shqipëri, PPNEA - Qendra për Ruajtjen dhe Mbrojtjen e Mjedisit Natyror në Shqipëri, ILIRIA - Shoqata Mbrojtja dhe Zhvillimi Mjedisor e Social, IEP - Instituti i Politikave Mjedisore, REC Shqipëri - Qendra Burimore e Mejdisit, Grupimi Ekolëvizja, URI – Instituti i Kërkimeve Urbane, Qendra EPER, Shoqata Cesvi, Shoqata Pro Permet, Shoqata Vjosa Explorer, All Green Centre – Qendra për Mbrojtjen e Mjedisit dhe Zhvillim të Qëndrueshëm, PPNE- Qendra për Ruajtjen dhe Mbrojtjen e Mjedisit Natyror Vlorë, Res Publica, Argonaut, Seep, Vizioni i Gjelbër

 

Internationale Unterstützung für den Vjosa-Nationalpark

„Das ist eine einmalige Gelegenheit, einen der letzten großen Wildflüsse wirklich zu schützen. Das wäre ein Gewinn für Europa, aber auch ein Beitrag zu den globalen Bemühungen um den Schutz der Natur.“ Dr. Kathy MacKinnon, Vorsitzende der IUCN World Commission on Protected Areas

„Wir appellieren an die politischen Verantwortlichen in Albanien, die erforderlichen Schritte zu setzen, um einen Vjosa-Nationalpark zu planen und auszuweisen, der die gesamte Länge des Flusses in Albanien inklusive seiner Zuflüsse umfasst und IUCN-Kriterien entspricht.“ Trägerinnen und Träger des Alternativen Nobelpreises

„Die Vjosa fließt ungezähmt von der Quelle bis zur Mündung. Zivilgesellschaftliche Gruppen in Albanien fordern, dass sie durch einen neu zu errichtenden Nationalpark geschützt wird. Zeigen Sie Ihre Unterstützung ...“ Edward Norton

„Die Vjosa ist die Krone des #BlueHeartofEurope und in ganz Albanien fordern die Menschen ihren dauerhaften Schutz. Sie appellieren an die albanische Regierung, den #VjosaNationalParkNow einzurichten, den ersten Wildfluss-Nationalpark Europas. Stehen wir Ihnen bei.“ Leonardo DiCaprio

Politische Unterstützung

„Anlässlich des #WorldWaterDay ermutige ich alle Albaner, ihre Solidarität mit dem Ziel eines #VjosaNationalParkNow zu bekunden. Es liegt in unserer Verantwortung, diese kostbare albanische und europäische Naturerbe vor zerstörerischen Projekten zu bewahren.“ Ilir Meta, Präsident der Republik Albanien

„... Gemeinsam mit den Bürgern der Republik Albanien, lokalen und internationalen Aktivisten, Kandidaten der Bewegung Vetëvendosje in den Wahlen am 25. April und den Institutionen der Europäischen Union rufe ich die Regierung Albaniens dazu auf, einen Vjosa-Nationalpark zu errichten und alle Pläne für de Bau von Wasserkraftwerken zurückzuziehen.“ Albin Kurti, Premierminister des Kosovo

„Frei fließende Flüsse zu schützen bzw. wiederherzustellen ist ein Ziel der #EUBiodiversity Strategy! Wir unterstützen die Ausweisung geschützter Gebiete in allen Staaten, auch in Albanien mit seinem majestätischen Fluss Vjosa!“ Virginijus Sinkevičius, EU-Kommissar für Umwelt und Ozeane

„Kämpfen wir zusammen für starken Schutz eines der letzten Wildflüsse in Europa: der Vjosa in Albanien.“ Thomas Waitz, Mitglied des Europäischen Parlaments, Grüne/EFA

 

Scientists united for the protection of the Vjosa © Nick St.Oegger

Die Vjosa in wissenschaftlichen Veröffentlichungen

The Vjosa River - A Baseline Study on Biodiversity, potential impacts, and legal framework for hydropower development

The Vjosa in Albania –a riverine ecosystem of European significance

Measuring of sediment transport and morphodynamics at the Vjosa river / Albania

Vjosa River valley - protection study based on IUCN protected area standards

THE FAUNA OF THE VJOSA RIVER AND THE ADJACENT FLOODPLAIN AT POÇEM

GEO Biodiversity Days 2014, Vjosa River Report

 

Pressemitteilungen zum Thema

28. April 2021: Nach der Wahl in Albanien: Vjosa-Nationalpark muss Ziel der neuen Regierung sein

22. März 2021: Naturschützer fordern politische Unterstützung aus der EU für Vjosa-Nationalpark in Albanien

10. Februar 2021: Vjosa: Umweltverbände legen Antrag für Europas ersten Wildfluss-Nationalpark vor

17. Dezember 2020: Vjosa: Politische Spiel mit der Zukunft von Europas letztem Wildfluss

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